Hamsterkiste Lerngeschichte "Martin Luther"

 

 Darstellung einer "Judensau" an der Stadtkirche in Wittenberg - Bild: Hamsterkiste

11 Luther und die Juden

An einer Ecke der Stadtkirche zu Wittenberg, etwa 8 Meter über dem Erdboden, befindet sich die Darstellung einer „Judensau“. Sie ist aus Sandstein gefertigt und wurde hier bereits im Jahr 1303 angebracht. Man sieht ein Schwein, ein Mann hebt das Schwänzchen hoch und schaut darunter, einige Kinder saugen an den Zitzen.

Mit solchen Darstellungen wurden damals die Juden verhöhnt und verspottet. Oft wurden sie an christlichen Kirchen angebracht, noch heute findet man etwa 30 solcher Skulpturen in Deutschland, darunter auch eine am Kölner Dom. Juden galten den Christen als Gottesmörder und sie wurden immer wieder für Krankheiten, Missernten und anderes Elend verantwortlich gemacht und verfolgt.

Martin Luther war ursprünglich dem Judentum gegenüber durchaus tolerant eingestellt. Es entsprach zwar gar nicht seinem christlichen Weltbild, doch er hoffte, Juden auch durch seine Schriften zum Christentum bekehren zu können. Als sich diese Hoffnung nicht erfüllte, brach bei ihm der damals weit verbreitete Hass gegen Angehörige der jüdischen Glaubensgemeinschaften durch. Er schrieb: Die Juden sind ... 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen … Wir haben rechte Teufel an ihnen…. Man sollte ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecken, … ihre Häuser desgleichen zerbrechen und zerstören.“

400 Jahre danach geschah genau dies. In der Zeit, als Adolf Hitler und die Nationalsozialisten in Deutschland regierten, wurden jüdische Synagogen angezündet, Häuser und Eigentum jüdischer Mitbürger zerstört und geraubt. Und etwa 6 Millionen Menschen wurden ermordet - weil sie Juden waren.

Brennende Synagoge in Siegen im November 1938 -  Bild: gemeinfrei