Sicher und Selbstbestimmt

Mein Körper gehört mir

Jeder Mensch hat nur einen Körper und dieser Körper gehört ihm ganz allein. Das gilt für alle Kinder und Erwachsenen, egal wie sie aussehen, wie alt sie sind, welche Sprache sie sprechen oder ob sie eine Behinderung haben. Niemand hat das Recht, einen Körper gegen den Willen dieser Person anzufassen.


Es gibt Körperteile, die besonders privat sind, zum Beispiel der Bereich unter der Unterwäsche. Viele Kinder nennen sie Scham‑ oder Intimbereiche. Diese Bereiche dürfen nur berührt werden, wenn es wirklich nötig ist, zum Beispiel beim Waschen, Wickeln, bei medizinischer Pflege oder beim Arzt oder bei der Ärztin. Auch dann ist wichtig: Die Person erklärt, was sie tut, und fragt nach Einverständnis, so gut das möglich ist.



Kinder dürfen immer „Stopp“ oder „Nein“ sagen, wenn sich eine Berührung nicht gut anfühlt, auch bei Menschen, die sie kennen, mögen oder lieben. Ein „Nein“ ist kein Gemein‑Sein, sondern ein wichtiger Schutz. Erwachsene haben die Aufgabe, dieses „Nein“ ernst zu nehmen und Kinder zu unterstützen, auf ihr Körpergefühl zu achten.

Grenzen

Grenzen sind unsichtbare Linien, die zeigen, was für einen Menschen okay ist und was nicht. Grenzen können den Körper betreffen, aber auch Gefühle oder Gedanken. Manche mögen Umarmungen, andere lieber ein Lächeln oder ein Winken.


Eine Grenze kann sich auch ändern: Was gestern noch angenehm war, fühlt sich heute vielleicht nicht mehr gut an und umgekehrt.

Kinder dürfen eigene Grenzen haben und ausdrücken. Sie können sagen: „Ich möchte jetzt nicht umarmt werden“, „Bitte hör auf“ oder „Ich brauche eine Pause“. Auch wer nicht oder kaum spricht, kann Grenzen zeigen, durch Körpersprache, Mimik, Gebärden oder Hilfsmittel wie Symbole oder Kommunikationsgeräte. Wichtig ist, dass andere Kinder und Erwachsene diese Signale ernst nehmen.


Genauso wichtig ist es, die Grenzen anderer zu respektieren. Wenn jemand „Nein“ sagt oder sich wegdreht, ist das ein Zeichen: „Stopp, ich möchte das nicht.“ Niemand hat das Recht, Grenzen zu überschreiten, andere zu beschimpfen, zu bedrohen oder zu etwas zu drängen, weder auf dem Pausenhof noch im Internet.

Sicher unterwegs

Sicherheit bedeutet, dass Menschen sich bewegen können, ohne unnötig in Gefahr zu geraten, zu Fuß, mit dem Fahrrad, im Rollstuhl, im Bus oder im Auto. Dazu gehören Verkehrsregeln, die alle schützen sollen. Dazu gehört zum Beispiel an Ampeln warten, auf Zebrastreifen achten, helle oder reflektierende Kleidung im Dunkeln tragen und im Auto einen passenden Kindersitz oder Gurt benutzen.


Sicher unterwegs sein hat auch mit Aufmerksamkeit zu tun. Wer stark abgelenkt ist, zum Beispiel durch laute Musik oder ein Handy, übersieht leichter Geräusche oder Fahrzeuge. Für manche Kinder ist es schwer, alles gleichzeitig im Blick zu behalten. Sie brauchen vielleicht klare Begleitung, Training, Hilfsmittel oder mehr Zeit. Das ist kein Fehler, sondern zeigt, wie unterschiedlich Menschen sind. Regeln müssen so erklärt werden, dass alle sie verstehen können.


Sicherheit gibt es nicht nur auf der Straße, sondern auch im digitalen Raum. Dazu gehört, keine persönlichen Daten einfach weiterzugeben, keine Bilder von sich zu verschicken, bei denen man sich unwohl fühlt, und bei seltsamen Nachrichten mit Erwachsenen zu sprechen. Niemand darf jemanden im Internet beleidigen, bedrohen oder zu geheimen Treffen drängen. Kinder dürfen jederzeit abbrechen, „Stopp“ sagen und Hilfe holen, online wie offline.

Hilfe holen

Manchmal passiert etwas, das sich nicht gut anfühlt.

Zum Beispiel sagt oder schreibt jemand etwas Gemeines über dich. Du hast große Angst oder viele Sorgen oder jemand fasst dich an, obwohl du das nicht willst. Ganz wichtig ist, du bist nicht schuld, wenn andere dir weh tun oder dir Angst machen.


Mit wem kannst du sprechen?
Such dir einen Erwachsenen, dem du vertraust!

• Mama oder Papa, oder andere Erwachsene in deiner Familie

• Lehrerin oder Lehrer

• Schulsozialarbeiterin oder Schulsozialarbeiter

• eine andere erwachsene Person, bei der du dich sicher fühlst


Du kannst sagen:

„Mir ist etwas passiert, das mir Angst macht. Bitte hör mir zu.“


Wenn du niemanden findest, dann gibt es auch Telefonnummern nur für Kinder und Jugendliche, bei denen du anrufen kannst, wenn du mit jemandem reden möchtest:


  1. Kinder‑ und Jugendtelefon (z.B. „Nummer gegen Kummer“ in Deutschland):116 111, kostenlos, du musst deinen Namen nicht sagen.
  2. bei großer Not den Notruf 112 wählen.


Hilfe holen ist mutig. Du darfst so lange weiter erzählen, bis dir jemand wirklich hilft.


Warum es wichtig ist mit echten Menschen zu sprechen, wenn es Probleme gibt


Manchmal fühlen sich Menschen sehr schlecht. Sie haben große Angst, sind sehr traurig oder es ist etwas Gefährliches oder Schlimmes passiert. In solchen Momenten ist es wichtig, mit einer echten Person zu sprechen. Eine KI (Künstliche Intelligenz, wie Chat GPT, Gemini und so wo weiter) kann zwar schreiben und antworten, aber sie kann dich nicht sehen, nicht hören, wie du wirklich klingst, und sie kann keine Hilfe zu dir nach Hause oder in die Schule schicken. Eine Lehrerin, ein Elternteil, eine Freundin, ein Arzt oder die Notrufnummer 112 können z.B. einen Krankenwagen rufen, dich in den Arm nehmen, mit dir zur Polizei gehen oder direkt bei dir bleiben, wenn du nicht allein sein willst. Eine KI weiß außerdem nie genau, wie es bei dir zu Hause aussieht, welche Menschen du kennst und was dort erlaubt oder verboten ist. Darum kann sie nicht so gut entscheiden, was jetzt wirklich sicher für dich ist. Wenn es dir schlecht geht und in akuter Not ist es immer besser, eine echte Person zu holen, die dich kennt, dir zuhört, mit dir spricht und dich ganz konkret schützen oder unterstützen kann.