Gefühle und Gedanken

Gefühle erkennen und benennen

Alle Menschen haben Gefühle. Manchmal sind sie deutlich zu spüren, zum Beispiel Freude beim Spielen oder Angst vor einer Klassenarbeit. Manchmal sind sie leise und schwer zu erkennen. Gefühle zeigen sich im Körper und im Kopf: Das Herz kann schneller schlagen, der Bauch kann kribbeln oder sich schwer anfühlen, der Atem kann ruhig oder unruhig werden.


Gefühle sind nicht „richtig“ oder „falsch“. Sie sind Hinweise darauf, wie es einem gerade geht. Es kann helfen, ihnen Namen zu geben: zum Beispiel „Ich bin fröhlich“, „Ich bin wütend“, „Ich bin enttäuscht“, „Ich bin stolz“ oder „Ich bin verwirrt“. Manche Kinder sprechen die Gefühle laut aus, andere malen sie, schreiben sie auf oder zeigen sie mit Symbolen oder Gebärden. Alle Arten sind gleich wertvoll.


Manche Menschen spüren Gefühle sehr stark, andere eher schwach. Einige Kinder brauchen Unterstützung, um Gefühle zu erkennen, etwa durch Bilder, Gefühle‑Skalen oder durch Menschen, die nachfragen: „Wie ist es gerade in dir? Eher sonnig oder eher grau?“ Wichtig ist: Jedes Gefühl darf da sein. Entscheidend ist, wie man damit umgeht, ohne sich selbst oder anderen wehzutun.

Stress & Entspannung, Sorgen teilen

Stress entsteht, wenn etwas zu viel wird: zu viele Aufgaben, zu laute Geräusche, Streit, Schmerzen, Veränderungen oder starke Gefühle. Stress ist nicht immer schlecht, zum Beispiel kann eine kleine Aufregung vor einem Auftritt helfen, wach zu sein. Wenn Stress aber lange anhält oder sehr stark ist, fühlt sich der Körper angestrengt an. Manche Menschen schlafen schlechter, sind schnell gereizt oder ziehen sich zurück.


Entspannung bedeutet: Der Körper und der Kopf bekommen eine Pause. Wie das aussieht, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Für manche ist Entspannung ein Spaziergang, Sport oder Tanzen. Für andere ist es Musik hören, Vorlesen, ein Computerspiel, Basteln, tiefes Ein- und Ausatmen oder einfach still sitzen. Kinder mit körperlichen oder seelischen Einschränkungen haben oft eigene Wege gefunden, zur Ruhe zu kommen, auch diese Wege sind wichtig und richtig.


Sorgen gehören zum Leben dazu. Manche sind klein, andere sehr schwer. Kein Kind sollte mit großen Sorgen allein bleiben müssen. Es hilft, wenn Kinder wissen: „Ich darf mir Hilfe holen.“ Das kann eine vertraute Person zu Hause, eine Lehrperson, eine Schulsozialarbeit, jemand in einer Beratungsstelle oder am Telefon sein. Wer Sorgen erzählt, ist nicht schwach, im Gegenteil: Es ist mutig, sich Unterstützung zu suchen. Niemand ist schuld daran, wenn er oder sie sich überfordert, traurig oder ängstlich fühlt.

Mut und Selbstvertrauen

Mut bedeutet nicht, dass man keine Angst hat. Mut bedeutet, einen Schritt zu machen, obwohl man sich unsicher fühlt und dabei gut auf sich aufzupassen. Für ein Kind kann es mutig sein, vor der Klasse zu sprechen. Für ein anderes ist es mutig, „Nein“ zu sagen oder zu einer Lehrperson zu gehen und um Hilfe zu bitten. Mut sieht bei jedem Menschen anders aus.


Selbstvertrauen entsteht, wenn Kinder erleben: „Ich kann etwas“, „Ich darf Fehler machen“ und „Ich bin wichtig, so wie ich bin.“ Dazu gehören kleine Erfolge im Alltag: ein schwieriges Wort lesen, einen Konflikt friedlich lösen, bei einem Spiel fair sein, eine eigene Meinung sagen oder auch gut zuhören. Lob und Ermutigung können helfen, aber wichtig ist auch, dass Kinder lernen, sich selbst freundlich zu begegnen, zum Beispiel zu denken: „Ich gebe mir Mühe“ statt „Ich bin schlecht“.


Manche Kinder erleben wegen Herkunft, Sprache, Behinderung, Aussehen, Armut oder anderen Gründen Ablehnung oder Diskriminierung. Das kann an ihrem Selbstvertrauen nagen. Es ist wichtig zu wissen, dass kein Mensch weniger wert ist, nur weil andere ihn unfair behandeln.


Erwachsene und Einrichtungen, wie Schulen, haben die Aufgabe, Kinder zu schützen, Vielfalt zu achten und klare Grenzen gegen Ausgrenzung und Mobbing zu setzen.


Selbstvertrauen wächst nicht bei allen gleich schnell. Es ist in Ordnung, unsicher zu sein und Unterstützung zu brauchen. Mutig sein kann auch bedeuten, zu sagen: „Das ist mir zu viel“ oder „Ich brauche eine Pause.“